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In der Zeitschrift "Die Oberpfalz" veröffentlichte Dr. Robert May im März/April 1920 fast unmittelbar nach der Verleihung des Nobelpreises an Dr. Johannes Stark folgenden Beitrag:

"Ein Oberpfälzer als Nobelpreisträger"

Der mit dem Nobelpreis für Physik für das Jahr 1919 ausgezeichnete Professor der Physik an der Universität Greifswald, Herr Dr. Johann Stark, ist ein Oberpfälzer. Er entstammt einer alten, angesehenen evangelischen Bauernfamilie und wurde am 15. April 1874 auf dem Köplhof (im Volksmund Schönhof) in Schickenhof bei Kaltenbrunn und Thansüß geboren. Sein 1893 verstorbener Vater war ein äußerst tüchtiger Mann, der eine Reihe wertvoller Neuerungen in die Landwirtschaft einführte und den Hof nach eigenen Plänen in ganz neuartiger Weise aufbaute. Die Gebäude gelten noch heute als die schönsten weit und breit.

Der junge Stark wuchs bis zu seinem 11. Lebensjahre in Schickenhof auf, besuchte die Volksschule in Kaltenbrunn und wurde streng zu jeder landwirtschaftlichen Arbeit angehalten. 1885 kam er auf das Gymnasium in Bayreuth, 1888 auf das Alte Gymnasium in Regensburg. Schon hier zeigte er sich als ein scharfer und gründlicher Denker und erregte durch seine hervorragende Begabung und unermüdliche Pflichterfüllung bei seinen Lehrern die größten Hoffnungen. Neben der Schularbeit trieb er zuerst eingehende philologische Studien. Dann wandte er sich der Philosophie und Theologie zu, fand aber dabei keine dauernde Befriedigung. Hingegen warf er sich mit Begeisterung auf die Physik, als er diese kennen lernte. Das geschah dem damaligen Lehrplane entsprechend, zu Starks großem Schmerze erst im letzten Schuljahre und da nur in Bruchstücken. Nun stand es für ihn fest, daß er an der Universität Physik studieren werde. 1894 absolvierte er mit Note 1 in allen Fächern. Er wurde zur Aufnahme in das Maximilianeum vorgeschlagen. Die Aufnahme wurde ihm aber versagt.

Er bezog dann die Universität München, wo er dem Studium der Mathematik und Physik sich widmete und, von glühendem Ehrgeiz beseelt, mit bewundernswerter Ausdauer auf sein Ziel, die akademische Laufbahn, hinarbeitete. Unermüdlich war er im physikalischen Institute der Universität unter dem damaligen Professor Lommel tätig, wo er später die Assistentenstelle übernahm. Schon 1897 promovierte er summa cum laude in Physik als Hauptfach, Mathematik und Mineralogie als Nebenfächern. Seine Inauguraldissertation trug den Titel: "Untersuchungen über einige physikalische, vorzüglich optische Eigenschaften des Rußes." 1898 bestand er mit Note 1 den zweiten Abschnitt der Lehramtsprüfung für Mathematik und Physik. 1899 erschienen der ersten Arbeiten auf dem Gebiete des Durchganges des elektrischen Stromes durch Gase; hier machte er später seine großen Entdeckungen.

Im Frühjahr 1900 siedelte Stark als Assistent an die Universität Göttingen über und habilitierte sich noch im selben Jahre als Privatdozent für Physik. 1902 erschien sein erstes größeres Werk: "Die Elektrizität in Gasen". 1905 machte er die erste große Entdeckung: Er fand den Doppler-Effekt an Kanalstrahlen. Der Österreichische Physiker Doppler machte schon 1841 darauf aufmerksam, daß die Schwingungszahl eines Tones oder eines Lichtstrahles sich erhöhen oder erniedrigen müsse, wenn der tönende oder leuchtende Körper sich dem Beobachter nähert oder sich von ihm entfernt. Dies fand Stark an den "Kanalstrahlen", welche aus rasch bewegten und dabei leuchtenden Atomen bezw. Molekülen bestehen.

Durch diese Entdeckung war Starks wissenschaftliches Ansehen mit einem Schlage begründet und er erhielt 1906 einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Technische Hochschule in Hannover, dem er Folge leistete. Seine dortige Stellung war aber infolge von Zerwürfnissen mit dem ihm vorgesetzten Ordinarius keine angenehme. Da wurde er 1909 als ordentlicher Professor für Physik an die Technische  Hochschule in Aachen berufen. Hier war er selbständig und macht 1913 die zweite große Entdeckung. Er fand nämlich die Zerlegung der Spektrallinien, d.h. die Veränderung des von Atomen ausgesandten Lichtes unter dem Einflusse eines elektrischen Feldes (Stark-Effekt), das Gegenstück zu dem schon länger bekannten Zeemann-Effekt (Zerlegung der Spektrallinien unter der Einwirkung eines Magnetfeldes auf die lichtaussendenden Atome).

1917 siedelte Stark als ordentlicher Professor an die Universität Greifswald über. Er ist seit 1906 mit der Tochter eines Landsmannes aus Thansüß verheiratet und hat 5 Kinder.

Als Mensch ist Stark vorbildlich durch den rastlosen Fleiß, mit welchem er sein Ziel unverrückt im Auge, alle Schwierigkeiten überwand. Denn nicht mühelos fielen ihm seine Erfolge zu. Sie sind in schwerer Arbeit errungen.

Das Alte Gymnasium in Regensburg hat seines ehemaligen nun so berühmt gewordenen Schülers gedacht durch Übersendung einer vom Zeichenlehrer der Anstalt, Herrn Ermer, künstlerisch ausgeführten Adresse folgenden Wortlauts:

"Mit freudigem Stolze bringen dem ehemaligen nun so berühmt gewordenen Schülers ihrer Anstalt 1888 bis 1894, Herrn Universitätsprofessor Dr. Johannes Stark, dem erfolgreichen Forscher auf dem Gebiete der Kanalstrahlen und der Spektralanalyse, die herzlichsten Glückwünsche dar die Lehrer und Schüler des Alten Gymnasiums Regensburg, Weihnachten 1919".

Regensburg, im Februar 1920. Dr. Robert Mayr."

Soweit der Beitrag in der Zeitschrift "Die Oberpfalz".